Lebenslanges Lernen

Das musst du über junge Fahrer wissen



Fahranfänger und junge Fahrer

Fahranfänger und junge Fahrer haben ein besonders hohes Unfallrisiko. Erfahre mehr darüber, welche Gründe dahinterstecken und welche Maßnahmen vom Gesetzgeber ergriffen wurden, um dieses Risiko zu minimieren. Informiere dich auch darüber, wodurch ältere und mittelalte Fahrer am meisten gefährdet sind und was eigentlich bei Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften passiert.

 

Warum ist die Unfallbeteiligung von jungen Fahrern so hoch?

Junge Fahrer – zwischen 18 und 24 Jahren – haben einen Bevölkerungsanteil von lediglich 10 %. Trotzdem sind sie an 31 % der Autounfälle, bei denen Passagiere verunglücken, beteiligt. Dabei ist die Zahl der tödlich verunglückten jungen Männer viermal höher als die junger Frauen. Diese Unfallstatistik junger Fahrer ist im Wesentlichen auf 2 Punkte zurückzuführen. Zum einen haben junge Fahrer eine geringe Fahrerfahrung, zum anderen ist bei ihnen das Risikobewusstsein häufig weniger stark ausgeprägt, während die Risikobereitschaft erhöht ist. Die häufigsten Unfallursachen bei jungen Fahrerinnen und Fahrern sind daher:

 

  • Falsche Straßenbenutzung (z. B. Missachtung des Rechtsfahrgebots vor Kuppen, Schneiden von Kurven, ausscheren oder beschleunigen beim Überholtwerden etc.)
  • Nicht-Einhaltung der Sicherheitsabstände
  • Unangepasste Geschwindigkeit
  • Mangelnde Verkehrstüchtigkeit (durch Alkohol und/oder andere Drogen)

Warum ist Fahrerfahrung so wichtig?

Trotz sorgfältiger Ausbildung werden viele Fahrsituationen, wenn du sie zum ersten Mal erlebst, eine große Herausforderung für dich darstellen. Je öfter du eine Situation erlebt hast, desto sicherer kannst du damit umgehen, da du schon weißt, wie sich die Situation anfühlt, was passieren kann und wie du Schlimmeres vermeidest. Typische Situationen, die ohne Fahrerfahrung eine besondere Schwierigkeit darstellen sind z. B.:

 

  • Lange Fahrtstrecken zurücklegen
  • Spät nachts fahren
  • Sehr müde fahren
  • Mit einem unbekannten Auto fahren
  • Mit einem voll besetzten Auto fahren
  • Freunde mitnehmen
  • Auf schneebedeckter Fahrbahn fahren
  • Auf laubbedeckter Fahrbahn ins Rutschen geraten
  • Aquaplaning
  • In Konfliktsituationen mit anderen Verkehrsteilnehmern geraten

Warum haben junge Fahrer häufig eine höhere Risikobereitschaft?

Wer jung ist, hat meist einen größeren Mut zum Risiko, ist ausgelassener und leichtsinniger. Regeln und Vorschriften werden in Frage gestellt und häufig auch mal überschritten. Dieses Verhalten überträgt sich häufig auch auf den Straßenverkehr. Viele junge Fahrer wollen sich selbst und ihr Fahrzeug erproben. Daher wird zu schnell gefahren, zu stark beschleunigt oder vor Kurven zu scharf gebremst. Auch kommt es immer wieder zu Unfällen aufgrund von Imponiergehabe. Die Fahrer wollen sich z. B. bei Wettfahrten gegenseitig ihre Überlegenheit beweisen oder ihren Mitfahrern durch riskante Fahrmanöver ihr Können demonstrieren. Auch überschätzen viele ihre Fähigkeiten und denken nach kurzer Zeit, dass sie bereits alles gelernt haben. Durch ihre geringe Fahrerfahrung sind sie bei Fahrten in der Dunkelheit, bei Müdigkeit oder unter Alkoholeinfluss dann doch schnell überfordert, passen ihr Fahrverhalten aber nicht entsprechend an.

Warum passieren nach einem Diskobesuch besonders viele Unfälle?

Junge Fahrer verunglücken besonders häufig am Wochenende, auf dem Weg von derDisko oder einer anderen Freizeitveranstaltung nach Hause. Häufig ist es dann schon weit nach Mitternacht. Aber warum sind diese Fahrten so gefährlich? Auf dem Weg von der Disko nach Hause oder zu einer anderen Disko ist es oft spät, und die Fahrer sind müde. Zu dieser Zeit nimmt außerdem die biologische Leistungsfähigkeit ab. Es kommt erschwerend hinzu, dass der Körper stundenlang Schwerstarbeit leisten musste. Die lauten Bässe der Musik beeinträchtigen die Funktion des Ohres als Gleichgewichtsorgan, und die Augen sind durch die Lichtreflexe im Club müde, wodurch sich die Hell-Dunkel-Anpassung verschlechtert. Außerdem wurde möglicherweise stundenlang getanzt. Wer sich jetzt hinters Steuer setzt, muss sich dieser Faktoren bewusst sein und besonders vorsichtig und konzentriert fahren. Häufig ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Da das Auto voll beladen mit Freunden ist, wird das Radio aufgedreht, und der Fahrer konzentriert sich mehr auf die Gespräche im Wagen, als auf die Straße.

 

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Auch wenn das Unfallrisiko von jungen Fahrern statistisch gesehen höher liegt, als das von älteren Fahrern, heißt das nicht, dass Fahranfänger in ständiger Angst Leben müssen, bald zu verunglücken. Wer vorsichtig fährt, sich eingesteht, dass er noch in der “Lernzeit” ist und sich durch seine Beifahrer nicht verunsichern oder zu riskanten Manövern verleiten lässt, kann die Gefahr deutlich reduzieren. Auch als Beifahrer kannst du zur Sicherheit aller beitragen, indem du eine riskante Fahrweise offen kritisierst.

Was bedeutet “Führerschein auf Probe”?

Um die Zahl der Unfälle bei jungen Fahrern möglichst gering zu halten, hat der Gesetzgeber einige Maßnahmen ergriffen. Eine davon ist die Probezeit beim Führerschein. Sie gilt für Fahranfänger der Fahrerlaubnisklassen A1, A2, A oder B. Deine Führerschein-Probezeit beginnt an dem Tag, an dem dir erstmals eine Fahrerlaubnis für eine der genannten Klassen erteilt wird und endet nach 2 Jahren, falls du in diesem Zeitraum nicht auffällig wirst. Auffällig wirst du, wenn du entweder einen Verstoß nach Katalog A oder 2 Verstöße nach Katalog B begehst, also bei allen Verstößen, die ins Fahreignungsregister eingetragen werden. Verwarnungen, z. B. wegen Falschparkens, führen nicht zu einer Probezeitverlängerung. Die häufigsten Auffälligkeiten, die zur Verlängerung der Probezeit führen, sind:

 

  • Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit
  • Missachtung eines “Stoppschildes”, mit Gefährdung
  • Rotlichtverstöße
  • Überholen im Überholverbot
  • Unfallflucht
  • Unterschreitung des Mindestabstandes
  • Verschuldete Unfälle im Kreuzungsbereich
  • Fahren eines unzulässig veränderten Fahrzeugs

Was passiert bei der ersten Auffälligkeit während der Führerschein-Probezeit?

Wenn du in der Probezeit das erste Mal auffällig wirst, verlängert sich diese auf 4 Jahre. Zusätzlich wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar für Fahranfänger (ASF) angeordnet. Du musst verpflichtend an diesem Seminar teilnehmen. Tust du das nicht oder versäumst du Teile des Seminars, wird dir die Fahrerlaubnis entzogen. Ein solches Aufbauseminar findet in Fahrschulen mit besonderer Erlaubnis statt. Es gibt einen festen Ablaufplan, im Rahmen dessen ein Fahrlehrer eine Gruppe von Teilnehmern durch eine Art Erfahrungsaustausch zwischen Fahranfängern führt. Ziel des Aufbauseminars in der Probezeit ist es, dass die Teilnehmer ihre Fähigkeiten in den folgenden Bereichen verbessern:

 

  • Fahrzeugbeherrschung
  • Regelkenntnis und -beachtung
  • Gefahrenwahrnehmung
  • Einschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Kontrolle der eigenen Emotionen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Risikobewusstsein
  • Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern

 

Du musst die Teilnahmebescheinigung des AFS innerhalb der gesetzten Frist bei der Führerscheinstelle vorlegen. Eine Anmeldung innerhalb der Frist reicht nicht aus!

Was geschieht bei weiteren Auffälligkeiten?

Wenn du das zweite Mal auffällig wirst, bekommst du eine Verwarnung und die Möglichkeit zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung. Wirst du dennoch ein drittes Mal auffällig, folgt ein Entzug der Fahrerlaubnis. Eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ist frühestens nach 3 Monaten möglich. Unter welchen Bedingungen dir die Fahrerlaubnis erneut erteilt werden kann, wird durch die Führerscheinstelle festgelegt.

Welche Vorteile bietet “Begleitetes Fahren ab 17”?

Begleitetes Fahren bietet Fahranfängern die Möglichkeit, unter sicheren Bedingungen Fahrerfahrung aufzubauen. Dafür wird der Führerschein früher gemacht, sodass du bereits mit 17 Jahren Autofahren darfst. Bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist es dir allerdings nur in Begleitung eines in deiner Prüfbescheinigung eingetragenen Erwachsenen und nur in Deutschland und Österreich gestattet, ein Kraftfahrzeug zu führen. Wie der Ausdruck “Begleitetes Fahren” bereits vermuten lässt, sollen junge Fahrer, die an diesem Programm teilnehmen, während des Fahrens besonders unterstützt werden. Dadurch, dass ein erfahrener Begleiter neben dem Fahranfänger sitzt, fühlen die Jugendlichen sich häufig sicherer und weniger gestresst. Schließlich ist jemand bei ihnen, der bei der Verkehrsbeobachtung hilft und ihnen jederzeit mit Tipps und Ratschlägen zur Seite stehen kann.

 


Wichtig:

Die Begleitperson ist kein Fahrlehrer und darf daher auch nicht ins Lenkrad greifen. Denn das könnte für alle Beteiligten sehr gefährlich werden. Die Jugendlichen haben ihre Ausbildung in der Fahrschule vollständig und erfolgreich durchlaufen. Sie sollten daher in ihrer Verantwortung für das Fahren ernst genommen werden.


 

Begleitetes Fahren: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Führerscheinbewerber der Klasse B und BE müssen mindestens 16,5 Jahre alt sein. Sie benötigen die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten. Gefahren werden darf erst ab dem vollendeten 17. Lebensjahr. Außerdem werden in die Prüfbescheinigung eingetragene Begleitpersonen benötigt, die folgende Kriterien erfüllen müssen:

 

  • Mindestalter 30 Jahre
  • Mindestens 5 Jahre ununterbrochener Besitz der Fahrerlaubnisklasse B
  • Maximal 1 Punkt im Fahreignungsregister


Weitere Infos zum Führerschein mit 17


Für wen besteht ein Alkoholverbot beim Führen von Kraftfahrzeugen?

Für die meisten Fahrer gilt eine gewisse Promillegrenzen, die sie beim Fahren einhalten müssen. Für manche Fahrergruppen ist allerdings jeglicher Alkoholkonsum verboten. Um das Unfallrisiko zu senken, gilt beim Führen von Kraftfahrzeugen ein absolutes Alkoholverbot in der Probezeit. Dies gilt außerdem für alle jungen Fahrer, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldbuße, einem Aufbauseminar und einer Eintragung ins Fahreignungsregister (Punkte in Flensburg) rechnen.



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