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Wildunfall: So verhältst du dich richtig

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Inhaltsverzeichnis

Der Winter ist da, die Tage sind kürzer und man ist wieder vermehrt im Dunkeln mit dem Auto unterwegs. Das Wildunfall-Risiko steigt. Prinzipiell kann es zwar jederzeit zu einem Wildunfall kommen. Es gibt aber Jahres- und Tageszeiten, zu denen das Risiko besonders erhöht ist. Im Dunkeln und vor allem während der Dämmerung kommt es vermehrt zu Wildwechseln, da die Tiere dann z. B. auf Futtersuche sind. Wer in dieser Zeit mit dem Auto unterwegs ist, muss also umso vorsichtiger sein, um kein Tier zu erwischen. Besonders um den Wechsel von Sommer- und Winterzeit herum, kommt es deshalb verstärkt zu Unfällen mit Wild, da die Hauptverkehrszeiten durch die Zeitumstellung dann genau in die Dämmerungszeit fallen. Hier erfährst du, wie du einen Wildunfall möglichst vermeiden kannst und was zu tun ist, wenn es doch mal gekracht hat.

Wie lässt sich ein Wildunfall vermeiden?

Wie du dir wahrscheinlich schon denken kannst, gibt es keine Möglichkeit, einen Wildunfall gänzlich auszuschließen. Wenn du mit dem Auto fährst, ist das Risiko grundsätzlich immer gegeben. Es gibt jedoch einige Vorkehrungen und Tipps, die du beachten kannst, um die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Unfall mit Wildtieren kommt, deutlich zu senken.

Sei besonders konzentriert

Konzentriert zu sein, ist fürs Autofahren selbstverständlich immer sehr wichtig. Doch gerade in ausgeschilderten Wildwechsel-Gebieten und während es dämmert oder bereits dunkel ist, solltest du umso konzentrierter und vorsichtiger fahren. Doch auch wenn kein Schild aufgestellt ist, solltest du besonders an Wald- und Feldwegen sowie auf Straßen, die an Ackerflächen entlang führen, besonders aufmerksam sein. 

Verkehrszeichen "Wildwechsel" mit dem Zusatzschild "1,2 km Länge"

Fahre langsam und mit Fernlicht

Schalte dein Fernlicht ein, damit du besser und weiter sehen kannst und fahre nur so schnell, dass du innerhalb deines Lichtkegels zum Stehen kommen kannst. Bei Gegenverkehr oder wenn jemand direkt vor dir fährt, musst du natürlich trotzdem abblenden. Durch das Fernlicht kannst du die Strecke vor dir doppelt so weit überblicken und somit umso früher erkennen, wenn sich Tiere vor dir auf der Straße befinden.

Wenn ein Tier auf die Fahrbahn läuft

Befolgst du die vorherigen Tipps, vergrößerst du die Wahrscheinlichkeit, dass du noch genug Zeit hast zu reagieren, wenn ein Tier vor dir auf die Straße läuft. Unser Fahrlehrer Michael Linden empfiehlt, sofort dein Fernlicht auszuschalten. Das Tier wird dadurch stark geblendet und bleibt deshalb entweder direkt vor dir stehen oder läuft sogar auf die Lichtquelle zu. Stattdessen solltest du laut hupen, um das Tier zu erschrecken und dazu zu bewegen, die Straße zu verlassen. Warte nicht ab, ob das funktioniert, sondern halte das Lenkrad fest und gerade und mache eine Vollbremsung.

Wichtig:

Versuche auf keinen Fall, dem Tier auszuweichen. Dadurch besteht das Risiko, dass du entweder in den Gegenverkehr oder gegen ein Baum fährst, was wesentlich gefährlicher wäre, als das Tier zu erwischen.

Wenn nichts passiert ist und das Tier weiterläuft, fahre unbedingt nur langsam und vorsichtig weiter. Du musst damit rechnen, dass weitere Tiere folgen. Besonders Rehe und Wildschweine sind meist in größeren Gruppen unterwegs.

Mehrere Rehe laufen von einer Wiese am Fahrbahnrand auf die Straße

Wildunfall: Was tun?

Manchmal laufen Wildtiere so plötzlich und direkt vor dir auf die Straße, dass du nicht mehr schnell genug reagieren kannst. Wenn es doch mal gekracht hast, solltest du deshalb unbedingt wissen, was zu tun ist.

Schalte als erstes dein Warnblinklicht ein und steige aus dem Auto aus. Trage unbedingt eine Warnweste – am besten bewahrst du diese in der Tür oder im Handschuhfach auf, damit du sie noch vor dem Aussteigen anziehen kannst. Stelle dann dein Warndreieck auf, damit andere Verkehrsteilnehmer früh genug abbremsen können. Der Abstand vom Warndreieck zu deinem Auto sollte auf der Landstraße mindestens 100 Meter betragen, an unübersichtlichen Stellen besser mehr. Setze anschließend einen Notruf bei der Polizei ab, um den Wildunfall zu melden. Wähle dafür die 110. Ein Wildunfall muss auch dem verantwortlichen Jäger mitgeteilt werden, das übernimmt in der Regel aber die Polizei. Achte bei deinem Notruf unbedingt darauf, deinen genauen Standort mitzuteilen. Da dies mitten im Wald häufig nicht so einfach ist, nutze noch vor dem Anruf dein Smartphone, um deinen genauen Standort zu ermitteln, damit die Polizei dich schnell findet.

Ein wichtiger Tipp unseres Fahrlehrers: “Bei einer Fahrbahn mit breiten Mittelstreifen kannst du auf dem Grünstreifen zwischen den zwei Leitplanken Zuflucht suchen. Andernfalls bleibt noch der Seitenstreifen. Achte bei der Überquerung der Fahrbahn besonders auf den Verkehr.“ (Michael Linden)

Was geschieht mit dem Wildtier?

Verschaffe dir aus einem sicheren Abstand Gewissheit darüber, ob das angefahrene Tier tot oder nur verletzt ist. Sollte es noch leben, halte unbedingt Abstand. Es könnte sich wehren und dich schwer verletzen.

Achtung

Entferne ein angefahrenes, verletztes Tier auf keinen Fall vom Unfallort, sonst machst du dich wegen Wilderei strafbar.

Wenn das Tier tot ist, kannst du es an den Straßenrand schieben. Trage dafür aber unbedingt Handschuhe, um dich vor Krankheiten zu schützen. Du kannst jedoch auch warten, bis der zuständige Jäger eingetroffen ist. Dieser kann das Tier dann zur Seite räumen. 

Sollte das Tier nach dem Zusammenstoß weiterlaufen und verschwinden, musst du dennoch den Wildunfall bei der Polizei melden. Das Tier könnte verletzt sein, worüber der Jäger bzw. der zuständige Förster bescheid wissen muss. Außerdem bekommst du vom Jäger oder der Polizei eine Wildschadenbescheinigung für deine Versicherung.

Bei einem Zusammenstoß mit einem Kleintier – wie z. B. einem Eichhörnchen oder Hasen – ohne Schaden am eigenen Auto, der Straße oder anderen Fahrzeugen, musst du keine Meldung machen. Stellt das Tier keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar, kannst du einfach weiterfahren. Wenn allerdings eine Gefahrenquelle durch das Tier entstehen, weil es z. B. im Weg liegt, musst du die Unfallstelle absichern und einen Notruf absetzen.

Wichtig:

Es besteht bei einem Wildunfall Meldepflicht. Wenn du einen Wildunfall nicht meldest und einfach weiterfährst, begehst du Fahrerflucht. Das ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren geahndet wird.

Wer zahlt bei einem Wildunfall?

Damit deine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommt, der durch einen Wildunfall entstanden ist, brauchst du wie gesagt eine Bescheinigung vom Jäger. Auch dann werden jedoch nur die Schäden ersetzt, die an fremdem Eigentum entstanden sind. Die Versicherung kommt z. B. für die Reinigung der Straße oder eine Reparatur von Leitplanken auf, die durch den Wildunfall beschädigt wurden. Für Schäden an deinem eigenen Fahrzeug musst du selbst aufkommen. Anders sieht das aus, wenn du eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen hast. Diese kommt in der Regel auch für selbstverschuldete Unfälle und Schäden durch Wildunfälle auf. Achte aber unbedingt darauf, welcher Versicherungsschutz für Wildunfälle bei deiner Versicherung mit inbegriffen ist.

Kurz und knapp: Was tun bei Wildunfall?

In der Dämmerung und in ausgeschilderten Wildwechsel-Gebieten sollte man besonders vorsichtig fahren, um einen Wildunfall von vornherein zu vermeiden. Sollte man das Wildtier dennoch nicht rechtzeitig sehen, um einen Zusammenstoß noch vermeiden zu können, ist folgendermaßen vorzugehen :

  • Abblenden
  • Hupen
  • Lenkrad fest und gerade halten
  • Vollbremsung machen
  • Warnblinkanlage aktivieren
  • Fahrzeug verlassen
  • Warnweste anziehen
  • Warndreieck aufstellen
  • In Sicherheit begeben
  • Notruf absetzen