4,4
5 Sterne 5 Sterne 5 Sterne 5 Sterne 5 Sterne
821 Bewertungen aus 7 Quellen
ADAC Suche öffnen

Die wichtigsten Verkehrsregeln auf dem Parkplatz

Jetzt kostenlos registrieren
Inhaltsverzeichnis

Welche Regeln gelten eigentlich auf Parkplätzen? Wer hat Vorrang und wie schnell darf ich überhaupt fahren? Wenn du regelmäßig mit dem Auto fährst, wirst du vermutlich auch immer mal wieder auf verschiedene Parkplätze fahren. Die meisten Leute machen sich aber meist gar keine so großen Gedanken darüber, welche Verkehrsregeln eigentlich auf dem Parkplatz gelten, da man ja sowieso nicht besonders schnell unterwegs ist. Andere verlassen sich dagegen auf die bekannten Regeln der StVO auf dem Parkplatz. Doch was ist jetzt wirklich richtig? Hier erfährst du alles über die geltenden Verkehrsregeln auf Parkplätzen.

Hier gilt die StVO – Stimmt das?

Weißer Fahrtrichtungspfeil auf dem Boden eines Parkhauses

Auf Parkplätzen hast du bestimmt schon oft ein Schild mit der Aufschrift “Hier gilt die StVO” gesehen. In den allermeisten Fällen ist dieses Schild aber gar nicht gültig. Die StVO regelt nämlich offiziell den Verkehr auf öffentlichen Straßen. Parkplätze sind aber davon ausgenommen, da sie allgemein nicht als “Straßen” gelten. Auf die bekannten Regeln, wie z. B. “rechts vor links”, darfst du dich auf einem Parkplatz also nicht unbedingt verlassen. Auch die Richtungspfeile auf dem Boden sind nur eine sogenannte “Fahrtrichtungsempfehlung”, die du nicht zwingend einhalten musst. Die einzige Regel aus der Straßenverkehrsordnung, die auch auf dem Parkplatz immer gilt, ist die der gegenseitigen Rücksicht aus §1:

„(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. (2) Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Außerdem besteht auf Parkplätzen eine Verständigungspflicht. Wenn alle Fahrenden miteinander kommunizieren und sich abstimmen, verläuft der Verkehr für alle flüssiger, als wenn jeder unbedingt seinen Kopf durchsetzen will. Fahre defensiv und bremsbereit und rechne damit, dass andere Fahrende unaufmerksam sind oder Fehler machen. Auf Parkplätzen darfst du grundsätzlich nur im Schritttempo fahren und die Geschwindigkeitsbegrenzung von max. 10 km/h nicht überschreiten. Fährst du schneller und es kommt zu einem Parkplatz-Unfall, bekommst du automatisch eine Teilschuld, auch wenn du eventuell Vorfahrt gehabt hättest.

Wenn es gekracht hat – Wer hat Schuld am Unfall auf dem Parkplatz?

Stark beschädigter Kotflügel an einem silbernen Auto

Wenn es auf einem Parkplatz tatsächlich zu einem Unfall kommt, muss die Schuldfrage immer anhand der einzelnen Situation geklärt werden. Auf dem Parkplatz hast du nur dann klar Vorfahrt, wenn du als erstes an eine freien Parktasche bist und auch durch Blinken angibst, dass du dort einfahren möchtest. Aber auch dann bist du nicht automatisch das Unfallopfer, wenn du mit jemandem zusammenstößt. Angenommen du fährst an der Parklücke vorbei, um rückwärts einzuparken. Währenddessen kommt jedoch ein*e weiterer*e Autofahrer*in, setzt vorwärts in die Parklücke ein und du rammst ihn/sie, während du rückwärts fährst. In diesem Fall bist du Schuld am Unfall, weil du aufgefahren bist und nicht langsam und aufmerksam genug warst. Der/die andere Fahrer*in würde jedoch trotzdem eine Mitschuld bekommen, da er/sie dir die Vorfahrt genommen hat. Diesen Fall hat es so bereits vor Gericht gegeben.

Auch wer z. B. rückwärts aus einer Parklücke ausfährt und dabei mit einem der anderen Verkehrsteilnehmenden auf dem Parkplatz zusammenknallt, trägt meist nicht automatisch die Schuld am Unfall. Es muss immer geklärt werden, ob beide Beteiligten langsam genug gefahren sind, damit sie früh genug hätten bremsen können. Außerdem wird die gegenseitige Rücksichtnahme und die Aufmerksamkeit aller Beteiligten beurteilt.

Unfall auf dem Parkplatz: Stehendes Fahrzeug

Den/die Fahrer*in eines stehendes Fahrzeuges trifft normalerweise keine Schuld an einem Unfall. Das Problem liegt hier jedoch darin, dass man auch beweisen können muss, dass der eigene Wagen gestanden hat, als der Unfall passiert ist. Hat man dafür keine Zeugen, wird es schon schwieriger. Im Streitfall kann dann auch ein*e Sachverständiger*in beauftragt werden. Diese*r kann anhand typischer Kratzspuren an den Fahrzeugen meist gut feststellen, wer gefahren ist und wer nicht. Wenn auch er/sie den Unfallhergang nicht rekonstruieren kann, müssen meist beide Beteiligten zu gleichen Hälften für den Schaden haften.

Welche Regeln gelten jetzt genau?

Da ein Parkplatz nicht als Straße sondern als Rangierfläche gilt, ist die StVO hier nicht allgemein gültig. Die einzigen Regeln, die hier unbedingt eingehalten werden müssen, sind folgende:

  • Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht
  • Schrittgeschwindigkeit – also max. 10 km/h
  • Verständigungspflicht mit anderen Fahrenden
  • Vorfahrt hat nur, wer als erster eine freie Parkfläche erreicht und den Blinker setzt

Wenn du also das nächste Mal auf einem Parkplatz unterwegs bist, verlasse dich nicht auf rechts vor links oder ähnliche Regeln. Sei stattdessen vor allem aufmerksam und rücksichtsvoll und versuche, dich mit den anderen Autofahrenden zu verständigen. Falls doch mal was passiert: Suche dir Zeugen, die beobachtet haben, was genau passiert ist und mache Fotos von der Unfallstelle und den Schäden. So kann die Schuldfrage leichter geklärt werden.